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Das Werk von Wolfgang K. Steidele - der Versuch, seinen Ort

in den Strömungen der Kunst der Gegenwart zu bestimmen.




Schon ein oberflächlicher Blick auf die Bilder zeigt, dass sich hier eine Malerei vorstellt, die nicht der Vergangenheit verpflichtet ist, die keine Geschichten erzählt und trotzdem lesbar bleibt.

Dafür sorgt die Darstellung von Figuren, die der Künstler in zunehmendem Maße nicht der sogenannten Wirklichkeit entnimmt, deren „Forellenkleid“ ihn gleichwohl noch fasziniert.

Vielmehr zitiert er in seinen letzten Werken Ikonen der Malerei der Moderne, wie z.B. Hodlers „Holzfäller“. Mit diesen Zitaten bezieht er selbstbewusst eine Position in der (internationalen) Kunstgeschichte und belegt seinen Anspruch als Künstler, künstlerisch gesicherte Positionen malerisch zu reflektieren.

Beachtlich werden diese Bilder aber erst dadurch, dass Wolfgang K. Steidele seine „historischen“ Figuren nicht einfach abmalt: er formiert sie und deformiert sie zugleich. Das Mittel, dessen Ergebnis diese „dialektische Malerei“ ist, nennt Steidele „Rollage“ : er zerlegt Kontur, Farbe und Grund seiner figürlichen Komplexe in präzise Streifen, so dass der Betrachter die vertrauten Figuren, kaum erkannt, schon wieder von der Auflösung bedroht sieht. Malerisch gibt der Künstler so einer Grunderfahrung bewussten Lebens in den „modernen Zeiten“ Ausdruck.

Auch stellt er sich in eine Tradition der Moderne, deren gestalterischer Grundzug thematisch die Deformation ist und technisch je ein spezielles Verfahren. Dies erinnert an viele Werke der klassischen Moderne, aber auch an Kunst der Gegenwart, so zum Beispiel Siegmar Polke und seine Exkursionen in die Kunst der Vergangenheit; etwa an sein Bild (von 1968) „Dürer Hase“.

Der Rückblick auf die Ausstellungen von Wolfgang K. Steidele erlaubt die Feststellung, dass sich relevante Kunst der Gegenwart nicht nur in Berlin oder Hannover entwickeln kann. Steidele lebt und arbeitet seit Jahren in der kreativen Provinz, deren bekennender Bewohner er ist, und zwar in Nordkampen.

Vielleicht ist das einer der Gründe für seine nuancenreiche Palette und seine ergiebigen Ausflüge in die große Welt der Kunstgeschichte.

Fazit: eine ingeniöse Malerei, jenseits von Abstraktion und Expression, von Abbild (Mimesis) und Konstruktion.


J.Husung (Kunstwissenschaftler) (2012)