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Konstruktiver Destruktivismus

 

Der Ursprung des konstruktiven Destruktivismus ist in dem Werk des lange in Vergessenheit geratenen tschechischen Schriftstellers und bildenden Künstlers Jiří Kolář zu finden.

Im Jahre 1914 in Protivín/Tschechoslowakei geboren, hat er als Zwanzigjähriger Kontakt mit surrealistischen Collagen. Im Jahr 1937 hat Kolár eine erste Ausstellung seiner eigenen Collagen im Mozarteum in Prag , die schon damals ausschließlich aus Reproduktionen bestehen.

In seine Werke bezieht der Künstler alltägliche Materialien wie Haare, Rasierklingen, Reißverschlüsse, Schnüre u.ä. in seine Arbeiten ein. Weiterhin experimentierte Jirí Kolár mit Schrift und Bild, verbindet Poesie und bildende Kunst zu Farben- und Tastgedichten.

1953 verbringt er ein Dreivierteljahr in Haft wegen der Verbreitung subversiver Schriften.

1959 erfindet Jirí Kolár die Rollagetechnik, in der er Fotos bzw. Reproduktionen in Streifen zerschneidet und wieder zusammensetzt.

Von 1989 bis 1991 kam Wolfgang K. Steidele zum ersten Mal während seines Studiums bei dem Kerpener

Kunstprofessor Hermann Josef Baum mit dieser Technik in Kontakt und experimentierte mit Zeitungsausrissen und Fotos.

Im Laufe des weiteren künstlerischen Prozesses kamen anderen Materialien und Techniken dazu.

Seit 2004 bearbeitet Steidele selbst erstellte Werke (vorrangig Ölbilder) und zerlegt Kontur, Farbe und Grund der figürlichen Komplexe in präzise Streifen, so dass der Betrachter die vertrauten Figuren, kaum erkannt, schon wieder

von der Auflösung bedroht sieht. Die Streifenbreite variiert bei den Bildern zwischen 0,2 und 2,0 cm.

Unterschiedliche Verarbeitungstechniken sind hierbei möglich. Aus zwei Bildern kann, je nach Streifenlegung,

ein neues Bild entstehen oder auch zwei fast identische Bilder (Twins).

Wolfgang K. Steidele begründete Anfang 2013 den konstruktiven Destruktivismus.

 

Der Prozess im konstruktiven Destruktivismus bis zur fertigen Rollage lässt sich wie folgt beschreiben:

 

  • der erste Schritt ist die Kreation zweier Bilder

  • gleichzeitig die Imagination der Werke, hinsichtlich des Zusammenspiels von Thema, Farbe, Form (wie werden die beiden Bilder sich als Gesamtwerk zueinander verhalten ?)

  • der zweite Schritt ist die Destruktion der Werke durch den handwerklichen Schneideprozess

  • der abschließende Vorgang des Klebeprozesses enthüllt nach und nach die Konstruktion eines neuen Bildes, bei dem Farbe, Form und Grund durch das Zusammenfließen der Ursprungsbilder, völlig neue, überraschende Konstellationen bzw. Neukreationen ergeben



Das Auge des Betrachters ist im konstruktiven Destruktivismus jederzeit Kreator, wenn es sich auf einen Prozess zwischen Täuschung und Wirklichkeit einlässt.

 

 

Wolfgang K. Steidele, März 2013